Österreich
02.08.2020

380-kV-Freileitungsgegner mit künstlerischem Protest bei den Festspielen

Surrend durch die Altstadt

Ein Sensenmann, fünf Strommasten, die durch eine Freileitung zusammenhängen, und das typische Surren des fließenden Stroms. So marschierten die Gegner der 380-kV-Freileitung durch die Salzburger Altstadt– zweimal zum Festspielhaus und einmal zum Residenzplatz. Das gefiel auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

Ein ungewohntes Bild: Leise und langsam zogen die 380-kV-Freileitungsgegner, organisiert vom Verein Fairkabeln, durch die Salzburger Innenstadt. „Dem Anlass entsprechend gab es eine künstlerische Inszenierung“, so Obmann Franz Fuchsberger. Zu Mittag erreichten an die 300 Demonstranten hinter den schwarzen Masten, mit dem typischen Surren der Stromleitung, das Festspielhaus. Die philosophischen Ansprachen richteten sich auch an die Festspielgäste. Pünktlich zu den Reden der kleinen Eröffnungsfeier herrschte vor dem Haus wieder Ruhe unter den Demonstranten, um die Veranstaltung nicht zu stören.
Bemerkenswert: Landeshauptmann Wilfried Haslauer benützte trotz Demo den Vordereingang des Festspielhauses, lauschte einigen Minuten den Ansprachen und kam auch mit den Freileitungsgegnern ins Gespräch. Der kunstvolle und qualitativ hochwertige Protest gefiel Salzburgs Oberhaupt sichtlich – ebenso wie einigen Festspielgästen, die sich das Spektakel in Ruhe anschauten. Negative Stimmen waren keine zu hören. Mittlerweile hält der Verein Fairkabeln bei knapp 10.000 Unterstützern. Deswegen wird es am 14. August einen „Marsch auf Wien“ geben, um direkt auf dem Ballhausplatz ein Erdkabel und den sofortigen Baustopp des Projekts zu fordern. „Wir erhoffen uns noch Unterstützung aus anderen Bundesländern“, so Fuchsberger. Auch in Oberösterreich hat sich bereits ein Widerstand gegen geplante Strom-Projekte entwickelt. Das große Ziel der Initiativen: Eine Bewegung in ganz Österreich mit mindestens 100.000 Unterstützern.
Felix Roittner