Leserbriefe
19.04.2020

Kaisers: Bilanz eines verordneten Blutbades

Zu Beginn stand ein perfider Plan: Ein Amtstierarzt lässt ein Tötungsgatter bauen und sorgt dafür, dass das Wild in der Umgebung nicht mehr gefüttert wird, um die vom Hunger getriebenen Tiere in die Falle zu locken. Für alle, die es nicht wissen - Rotwild ist ursprünglich ein Auentier, das vom Menschen aus seinem natürlichen Lebensraum verdrängt wurde, hinein in den Wald, hinauf in höhere Lagen. Dort kann es in schneereichen Wintern nicht überleben und ist auf Fütterung angewiesen. Für unsere Bauern ist der Futterverkauf an die Jagd eine wichtige Einnahmequelle, genauso wie die Jagdpacht für unsere Gemeinden. Jagd und Hege durch den Menschen sind Teil unserer ländlichen Identität, sie sichern Arbeitsplätze, pflegen unsere Kulturlandschaft und haben Tradition. Doch zurück nach Kaisers. Unter dem Deckmantel der TBC-Bekämpfung wurde ein Verbrechen begangen, eine ganze Jagd ist am Boden. Der entstandene Schaden für Mensch und Tier ist enorm. Wochenlang wurde im Vorfeld berichtet, als die kritischen Stimmen lauter wurden, musste es schnell geschehen. Eine Nacht mit Sturm und Schnee wurde ausgenutzt, ein einziger Schütze wurde organisiert. In der Schonzeit (!) ließen die Behörden das Feuer eröffnen auf Hirsche und hochträchtige Hirschkühe in Begleitung ihrer Kälber! Als das Gatter geschlossen wurde, befanden sich 34 Tiere darin, nur 20 waren zur Tötung frei. Der Amtstierarzt kam später dazu, hastig wurden Proben genommen und Trophäen entfernt. Sie verschwanden. Ungewöhnlich schnell lagen Ergebnisse vor über offizielle TBC-Träger unter den Tieren, jedoch wurde kein Test durch unabhängige Stellen zugelassen. Wir sind nicht gegen die Bekämpfung von Seuchen, doch der Zweck heiligt nicht alle Mittel! Zum Glück haben wir im Bezirk Reutte schon seit 3 Jahren keine TBC-Fälle mehr bei Rindern. Kaisers wurde aufmerksam auf das Massaker in jener Nacht, denn trotz Lawinensperre wurde der Weg geöffnet und die Panik im Gatter ab dem ersten Schuss ließ sich nicht verbergen. Die Gemeindebürger von Kaisers mussten in einen Abgrund sehen, blutgetränkte Pfosten, zerfetzte Körper, gebrochene Beine. Die dabei entstandenen Bilder sprechen für sich. Für die Zeitung zerrten die Henker leblose Körper vom blutgetränkten Boden auf sauberen Schnee. Es hagelte Anzeige um Anzeige wegen schwerer Tierquälerei, auch von angesehenen gerichtlich beeideten Sachverständigen - und was ist passiert? Nichts! Als könnten die Menschen in Kaisers die Uhr nicht richtig lesen! Aus 45 Minuten Gemetzel wurden 16 gemacht! Für wie dumm werden wir gehalten? Zeugen wurden erst gar nicht angehört. Ein ganzes Dorf steht als Lügner da. Ausgerechnet Kaisers als jahrelanges Aushängeschild homogener Parteitreue! Jede besoffene Zeltfestschlägerei bekommt ihren Prozess, doch das Massaker von Kaisers wird in unserem so modernen demokratischen Rechtsstaat des 21. Jahrhunderts wohl als „sanfte Entnahme“ in die Geschichte eingehen, oder vielmehr in die Märchenbücher. Jeder, der einen Funken Verstand sein Eigen nennt, kann sich vorstellen, wie grausam die Wirklichkeit war. Von den verantwortlichen Behörden, die wir mit unseren Steuergeldern bezahlen, kam keine Silbe der Rechtfertigung. Sofort hieß es von offizieller Seite, das werde nie wieder passieren. Und jetzt? Jetzt kam sogar ein Lob für die so saubere Vorgehensweise! Die Veterinärbehörde bestätigt der Veterinärbehörde korrektes Handeln! Das spricht für sich. Die Petition zum Verbot von Reduktionsgattern und für personelle Konsequenzen haben bisher über 3900 Menschen unterzeichnet. Wird der Aufschrei ungehört verstummen? Ich musste diesen Brief schreiben, denn noch herrscht in unserem Land Meinungsfreiheit und ich kann dazu einfach nicht schweigen. Jemand muss aufstehen und den Stimmlosen seine Stimme geben!
Mag. Christine Eberle-Haas

Thema „Gottesdienst am Imsterberg aufgelöst“

Meines Wissens nach haben sich die ca. zehn Gottesdienstbesucher am Imsterberg beim Einschreiten der Polizei sehr einsichtig gezeigt und sich nicht so „massiv gestört gefühlt beim Ausüben ihres Christglaubens“, wie es der Leserbriefschreiber aus Schwaz dargestellt hat! Auch über die „saftigen Verwaltungsstrafen“ würde ich mir an seiner Stelle keine allzu großen Sorgen machen, da doch wegen der gezeigten Einsicht bestimmt mit Maß geurteilt werden wird!
Ich habe nicht Rechtswissenschaften studiert, maße mir auch nicht an, bei Verfassungsrecht, Gesetzen, Erlässen und Verordnungen gescheiter zu sein als unsere derzeitige Landes- und Bundesregierung mit ihren Fachleuten. Sie haben recht, dass es einen „Übergriff“ wie am Gründonnerstag am Imsterberg noch nie gab. Auch eine Pandemie mit dem hochinfektiösen Covid-19-Virus gab es noch nie! Dass so manches in der derzeitigen Ausnahmesituation für weite Teile der Bevölkerung nicht verständlich oder nachvollziehbar ist, verwundert nicht! Die Bischöfe haben ihre Verantwortung für ihre Schäflein, deren Leben und Gesundheit, hervorragend wahrgenommen und darüber hinaus über Rundfunk, Fernsehen und Internet während der Quarantäne in der Karwoche und an den Osterfeiertagen uns Gläubige mit täglichen Rosenkranzgebeten, Andachten und höchst erbauenden Messfeiern begleitet, gestärkt und damit wahre Osterfreude vermittelt – trotz Corona!
Im Einhalten des Versammlungsverbotes auch in den Kirchen (zum Schutz vor Ansteckung, Krankheit, Tod) einen „vorauseilenden, devoten Kadavergehorsam und Glaubensschwäche der österreichischen Amtskirche“ zu orten, ist für mich nicht nachvollziehbar! In unserer Zeit des Populismus, des „Allesbesserwissens“ und überall „Schuldigesuchens“ wagt man Begriffe wie Demut oder gar Gehorsam schon fast nicht mehr auszusprechen. Aber vielleicht wäre es gerade das, was wir durch diese gefährliche Seuche wieder lernen könnten. Für unsere persönliche Resilienz dürfte es sicher von Nutzen sein!
Unserem Regierungsteam, das bereits am Anfang seiner Amtszeit vor so schwere Herausforderungen gestellt wird und diese mit großer Kompetenz, Sachlichkeit, Einigkeit, Mut und Aufrichtigkeit annimmt, gebührt meine Hochachtung! Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und Stolz, Österreicherin zu sein!
Maria Ullrich, Volders
Klatschen reicht nicht

Als die Pflegekräfte auf die Straße gingen für die 35 Stunden Woche bei gleicher Bezahlung – nein, kein Geld! Als die Handelsangestellten mehr Geld wollten – nein, auch nicht! Jetzt sind alle froh, dass wir diese Leute haben, es wird gesungen und geklatscht.
Und nach der Krise? Gebt den Menschen, was sie brauchen, um unsere Systeme aufrecht zu erhalten. Wir können es uns offensichtlich leisten ob der Summen, die die Regierung so schnell freigibt. Und an alle Großkonzerne: Zahlt euren Kassiererinnen, Verkäuferinnen und allen, die jetzt nicht zu Hause bleiben können, um unsere Versorgung und Gesundheit zu gewährleisten, eine satte Prämie. Ich glaube ihr könnt es euch allemal leisten. Sonst muss eben der Staat einspringen. Und der Staat sind wir alle! Also Leute: Klatschen und singen ist super, aber sicher nicht genug!
Elisabeth Pezina, Absam